Impressionen aus Brasilien, Teil 10
Das andere Rio
Nachdem wir gestern von schönen Seiten dieser Metropole berichteten, lernten wir heute in drastischer Weise ihre Schattenseite kennen. Wir besuchte einen, von Pater Arnold vor ca. 20 Jahren gegründeten, Kindergarten in der schlimmsten Favelas Rios. Sie stand vor kurzem durch dem in ihr stattgefunden blutigen Drogenkrieg mit vielen Toten im Mittelpunkt auch unserer Medien. Auswirkungen davon spürten wir heute noch. Die geplante Übernachtung in dem Kindergarten Arnolds fand nicht statt. Sonnenbrillen, Handys und offenes Fotografieren waren verboten, um nicht die Aufmerksamkeit der Clans zu erwecken. Die von Barrikaden unterbrochenen Straßen in den Favelas wirkten erdrückend, eng, vermüllt und mit heruntergekommenen Häusern eingerahmt. Schwarz gekleidete und sichtbar Waffen tragende Clanmitglieder strahlten eine einschüchternde Atmosphäre aus.
In dieser Umgebung wirkte der Kindergarten wie eine Insel im Sturm. Festungsartig „eingemauert“, fanden wir in ihm eine nahezu heile Kinderwelt vor. Ein tolles Erzieherinnenteam versucht den Kindern in dieser Umgebung Geborgenheit und Wärme sowie erzieherisch, Grundwerte zu vermitteln. Die meisten der Kinder erleben hier einen Kontrast zu ihrem oftmals von Gewalt und Drogen geprägten häuslichen Umfeld.
Fotos und Text: Günther Fitzl
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