VISION ZUR NEUAUSRICHTUNG DES ORATORIUMS DES HL. PHILIPP NERI ZU LEIPZIG

1930 wurde durch Bischof Schreiber als Bischof von Meißen und die Oratorianer Theo Gunkel, Heinrich Kahlefeld, Philipp Dessauer und Ernst Musial der Sitz des Oratoriums zu Leipzig im Pfarrgebiet von Leipzig-West errichtet. Ziel der Gründergeneration war: Gemeinde versammelt sich um den Altar. (K 86) Diese Ausrichtung und Orientierung machte das Leipziger Oratorium später zu einem wichtigen Teil der sich in Deutschland entwickelnden liturgischen Bewegung und es begann die große Zeit der Verbindung von Pfarrseelsorge und Liturgie.
Jetzt, nach 90 Jahren der Pfarrei-Pastoral im Pfarrgebiet Leipzig-West, unternimmt das Oratorium des Hl. Philipp Neri zu Leipzig eine Neuorientierung (K 83) von der Pfarrpastoral zur missionarischen Pastoral (K 114 ) in der Großstadt Leipzig.
Diesen Entschluss hat die Kongregation des Oratoriums zu Leipzig nach einem längeren Diskussions- und Orientierungsprozess gefasst, der bereits im Jahre 2014 mit einem unter Bischof Koch angeregten Erkundungsprozess begonnen hat.
Mit Blick auf die während dieses Prozesses im Geist des Heiligen Philipp Neri formulierten Ziele – zunächst mit Blick auf die neuzugründende Pfarrei St. Philipp Neri Leipzig-West – scheinen uns diese auch für die Neuausrichtung im Sinne einer missionarischen Pastoral höchst geeignet:

1. der familiäre Umgang mit der Heiligen Schrift als Leitmotiv unserer Verkündigung (K 3)
Unser Gründer, der Hl. Philipp Neri, hat anfangs zu Kreisen mit geistlich Interessierten eingeladen. Dort, was sich später Oratorium nannte, hat Philipp biblische und andere geistliche Geschichten angeregt und thematisiert. In der Gründerzeit des Leipziger Oratoriums waren es dann die „Haus-Oratorien“, welche geistlich, familiäres Leben anboten.
Zukünftig wollen wir in den uns anvertrauten kategorialen Bereichen zu familiärem und zeitgemäßem Umgang gerade mit der Heiligen Schrift motivieren (K 113), denn diese gehört für uns zur Grundlage jeglicher Pastoral und zur Urkunde des Glaubens – wie das II. Vatikanische Konzil einmal betont hat. Mit Blick auf unsere damaligen Leipziger Gründungsväter sagen wir jetzt:
Gemeinschaften versammeln sich um die Heilige Schrift (K 14).

2. die persönliche Seelsorge als wesentliche Methode unserer Verkündigung
Unser Gründer, der Hl. Philipp Neri, war im Rom der Renaissancezeit ein gesuchter Beichtvater.
Von früh bis spät war Philipp hierzu bereit. Im 21. Jahrhundert bemerken wir gerade in Leipzig einen großen Rückgang der Beichtpraxis, spüren aber auch eine Sehnsucht nach Einzelseelsorge und persönlicher Begleitung.
Deshalb wollen wir gerade für pastorale Mitarbeiter verlässliche geistliche Begleiter (K 121) und in den uns anvertrauten kategorialen Bereichen vertrauenswürdige Ansprechpartner sein. (K 115)

3. zeitgenössische Kunst und Kultur als bevorzugtes Mittel unserer Verkündigung
Unser Gründer, der Hl. Philipp Neri, hat mitgeholfen – das Oratorium zu einer weltweit bekannten kulturell-musikalischen Form zu entwickeln. Mit den Komponisten seiner Zeit (u.a. Palestrina) hat Philipp die Zusammenkünfte des damaligen Oratoriums kulturell-musikalisch vielfältig bereichert.
Zukünftig wollen wir im kulturell-künstlerischen Bereich vielfach wirken, auch durch Gebrauch der sozialen Kommunikationsmittel. (K 98) Dabei wollen wir besondere Begabungen der Brüder für die Verkündigung nutzen. (K Vorwort 3)

4. die Großstadt Leipzig als primärer Ort unserer Verkündigung ( K 100, K 122)
Unser Gründer, der Hl. Philipp Neri, hat erkannt, dass sein Verkündigungsort die Großstadt ist. („Dein Indien ist Rom.“). Davon ausgehend hat Philipp gerade in den Katakomben von Rom dem Geist des Urchristentums nachgespürt (K11), der sich ja gerade in einer Weltmetropole wie Rom besonders entwickeln konnte. Und auch in anderen antiken Großstädten wie Antiochia und Korinth konnte das Christentum wachsen und sich ausbreiten.
Zukünftig wollen wir die vielfältigen Verflechtungen und Angebote in der Großstadt Leipzig nutzen und dort Arbeitsstellen aber auch Gottesdienstorte (K 86) zur Verkündigung suchen.

LEIPZIG, 3. August 2020

DIE MITGLIEDER DES ORATORIUMS ZU LEIPZIG:

Michael Jäger CO, PRÄPOSITUS; Eberhard Thieme CO, stellv. PRÄPOSITUS; Thomas Bohne CO, leitender Pfarrer


K KONSTITUTION
(Konstitutionen des Oratorium des Oratoriums des Hl. Phiipp Neri)

Vorwort 3
Der gute Vater pflegte nämlich die Gesinnung und Absichten eines jeden seiner Söhne, entsprechend ihrer eigenen Gaben, mit väterlicher Zuneigung zu begleiten

3
Das Oratorium ist vom Anfang an zum familiären Umgang mit dem Wort Gottes…zusammengekommen

11
Die Kongregation folgt der Christlichen Urgemeinde, …

14
Die Kongregation leistet ihren Dienst, indem die Mitglieder ihre Arbeit tun vor allem orientiert am Geist des Evangeliums.

83
Die Kongregation bewahrt die Traditionen des heiligen Philipp gerne, jedoch ist es immer notwendig, diese anzupassen und im Geist der Kirche zu erneuern

86
Da sich keine christliche Gemeinschaft bauen lässt, wenn sie nicht ihren Wurzelgrund
und ihren Angelpunkt in der Feier der Eucharistie hat, sehen die Mitglieder der Kongregation in ihr die Mitte ihres ganzen Lebens…

98
Da das Apostolat der Verkündigung sich großenteils der sozialen Kommunikationsmittel bedient, wird den Mitgliedern der Gebrauch dieser Medien im kirchlichen Geist empfohlen (Cann. 822-832).

100
Auswärtige Aufgaben und kirchliche Stellen, durch die ein Mitglied dem gemeinsamen Leben entzogen werden könnte, sollen nicht übernommen werden. Darüber, ob sich etwas mit dem gemeinsamen Leben vereinbaren lässt, hat die Generalkongregation zu urteilen.

113
Die Predigt des Evangeliums muss wirklich familiär sein und auf die Nöte der Zuhörer und der Zeit angemessen eingehen (Cann. 762-772)

114
Alle Kongregationen sollen stets zu einer wahrhaft menschlichen Bildung beitragen, so dass die oratorianische Liebe ausstrahlt auch auf Menschen, die nicht den christlichen Glauben bekennen.

115
Der beständige Dienst geistlicher Bildung, wie er in geistlichen Gesprächen und in der Beichte geschieht, entspricht der Geistesart unseres seligen Vaters und ist darum ein besonderes Anliegen der Kongregation. Alle Mitglieder sollen in ihren Nächsten eine wahrhaft christliche Lebensweise und ein kindliches Gottvertrauen bestärken; in dem sie „allen alles werden“…..

121
Die Mitglieder der Kongregation sind dem Diözesanklerus, dem weltlichen wie auch dem Ordensklerus, im Herrn eng und brüderlich verbunden. Sie pflegen allen gegenüber die Bruderliebe. Diese soll sich „spontan und freudig äußern in gegenseitiger Hilfe, geistlicher wie materieller Art“ (LG 28, 3; Can. 680)

122
Die Kongregation schenkt, ihrer Eigenart entsprechend, der Ortskirche und der eigenen Stadt ihre besondere Liebe.